Bianca Bergmann erklärt

Unsere Steinkohle

gestern – heute – morgen

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Bianca Bergmann erklärt

Unsere Steinkohle

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Bildungsprojekt gefördert durch

Aus Bauern werden Bergleute

Niemand weiß genau, wann der Steinkohlenbergbau an der Ruhr begonnen hat. Ebenso wenig kennt man den Ort, an dem die Kohle entdeckt wurde.

Diese Sage vom Muttental bei Witten an der Ruhr erzählt man sich in ähnlicher Form aber auch in anderen alten Bergbaugebieten.

Es gibt eine Sage, die erzählt, dass sich ein Schweinehirte im Muttental bei Witten abends an einem Feuer gewärmt hat. Am nächsten Morgen fand er noch glühende Steine in der Feuerstelle. Das waren Kohlen.

Schmied bei der Arbeit

Mit einiger Sicherheit lässt sich sagen, dass bereits um das Jahr 1000 an der Ruhr nach Steinkohle gegraben wurde. Es gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1296, die das Recht erteilte, an der Ruhr bei Dortmund Steinkohle zu brechen. Eine Industrie gab es damals noch nicht, aber Handwerker wie Schmiede, Sattler und Tischler. Köhler stellten aus dem Holz der Wälder Holzkohle her, die vor allem die Schmiede benötigten. Auch Eisen wurde zunächst mit Holzkohle aus Erz erschmolzen. Die meisten Menschen arbeiteten aber in der Landwirtschaft.

Die Anfänge des Kohleabbaus im Ruhrgebiet lagen im Tal der Ruhr. Der Fluss hat sich hier tief in die Gesteinsschichten eingeschnitten. An den Hängen traten die Steinkohlenflöze an die Erdoberfläche und konnten leicht gefunden werden. Zu jener Zeit ist noch nicht täglich Steinkohle abgebaut worden. Wahrscheinlich haben die Bauern in den Monaten, in denen sie auf den Feldern wenig zu tun hatten, nach Kohlen gegraben. So haben sie sich etwas Geld dazu verdient. Man sprach damals auch noch nicht von Bergbau, sondern von der „Kohlengräberei.“ Bei der Suche nach neuen Flözen waren Maulwürfe prima „Spürnasen.“ Dort, wo ihre Hügel schwarz waren, gab es im Untergrund Kohle. Das Grundwasser machte den Kohlen­gräbern die größten Schwierigkeiten. Um die tiefer in der Erde liegende Kohle erreichen zu können, wurden vom Tal Stollen bis zur Kohle gegraben. Die Stollen hatten ein leichtes Gefälle. So konnte das Grundwasser abfließen. Später wurden diese Stollen mit einem Schacht, der von der Höhe aus im Flöz nach unten führte, unterirdisch verbunden. Schlägel und Eisen waren im frühen Bergbau die wichtigsten Arbeitsgeräte der Bergleute. Der Schlägel ist ein kurzer Hammer, das Eisen ein spitzer Meißel mit Griff. Damit konnten die Männer Kohle und Gestein abbauen. Das kostete viel Kraft, denn allein der Schlägel wog zwischen 1,5 und 2 Kilogramm. Damit haben sich die Bergleute an einem Arbeitstag nur wenige Zentimeter in den „Berg“ vorarbeiten können.

1755 gab es im heutigen Ruhrrevier an die 200 Zechen, auch Gruben genannt, mit rund 650 Bergleuten. Es waren also meist sehr kleine ­Betriebe und etwa die Hälfte lag still. Eine Grube mit 22 Arbeitern war schon ein Großbetrieb.

Die Gruben hießen „Friedlicher Nachbar“, „Fröhliche Morgensonne“, oder nach den Flözen „Dickebank“ und „Finefrau“. Zahlreiche Straßennamen im Ruhrgebiet erinnern daran.

Der Bedarf an Brennstoffen hatte mittlerweile stark zugenommen. Mit Holz und Holzkohle ließ sich die Nachfrage einer beginnenden Industrie und wachsenden Bevölkerung nicht mehr befriedigen. Zu viel Wald wurde gerodet. Daher befahl der Staat, Steinkohle anstelle von Holzkohle zu verwenden. Wer dies nicht befolgte, wurde bestraft.

Nun regelte der preußische Staat den Kohleabbau und beendete die Zeit der Kohlengräberei. Aus alten Erzabbaugebieten wurden Bergleute angeworben. Ihr technisches Wissen kam nun dem Bergbau im Steinkohlenrevier zugute.

Stollenmundloch der ehemaligen ­Zeche Friedlicher Nachbar in Bochum.

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Meiler zur Herstellung von Holzkohle

Herstellung von Holzkohle

Die einzelnen Holzstücke werden zu einem kegelförmigen Haufen geschichtet und mit Erde und Rasen abgedeckt. So ein Haufen wird Meiler genannt. Nur durch kleine Öffnungen im Meiler gelangt Luft unter die Abdeckung.

Das Ziel ist es, möglichst nicht das Holz, sondern nur die aus dem erhitzten Holz entweichenden Gase zu verbrennen. An dem aufsteigenden Rauch kann der Köhler sehen, ob die Verkohlung gelungen ist. Dann verschließt er die Luftöffnungen, und der Meiler kühlt langsam wieder ab. Die Holzkohle ist fertig. Heute gibt es in manchen Waldgebieten Köhler, die dieses alte Verfahren vorführen.

Schlägel und Eisen wurden zum Symbol für den Bergbau. Schon im Mittelalter taucht das Zeichen in vielen Stadtwappen auf.

Auch heute noch sind Schlägel und Eisen in manchen Stadtwappen enthalten. So zum Beispiel in St. Andreasberg/Harz, wo Erz abgebaut wurde, oder in den Bergbaustädten Gelsenkirchen und Herne im Ruhrgebiet, St. Ingbert im Saarrevier oder Peißenberg in Bayern.
Auch auf Landkarten findet man das Symbol als Kennzeichnung für ein Bergwerk. Steht das Zeichen auf dem Kopf, zeigt es ein still­gelegtes Bergwerk an.

Skip ist das englische Wort für ein geschlossenes Förder­gefäß aus Stahl, das ungefähr 17 Meter hoch, 3,50 Meter lang und 2 Meter breit ist.

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km pro Stunde rasen zwei Skips über 30 Mal in der Stunde durch den Schacht von der Oberfläche zum Füllort und zurück – vollautomatisch.

Wenn der eine Skip unten ist, ist der andere oben.
So werden bis zu 1.000 Tonnen Kohle in der Stunde gefördert.

Benno Bergmann hat für euch aufgeschrieben, wie die Arbeit eines Bergmanns aussah. Außerdem hat er erzählt, wie ein Bergwerk funktioniert. Die Bergleute arbeiteten in drei Schichten rund um die Uhr. Das alles kannst du in den folgenden Kapiteln nachlesen.

Bereits im 13. Jahrhundert wurde nach der Steinkohle gegraben. Von 1957 bis 2018 gab es im Ruhrrevier 140 Bergwerke. An der Lippe wurde die Kohle bis in einer Tiefe von 1.500 Meter abgebaut. Am 21.12.2018 wurde mit Prosper Haniel feierlich das letzte Bergwerk in Deutschland geschlossen.