Bianca Bergmann erklärt

Unsere Steinkohle

gestern – heute – morgen

Gefördert durch

Bianca Bergmann erklärt

Unsere Steinkohle

gestern – heute – morgen

Bildungsprojekt gefördert durch

Unter Tage

Angekommen. In der Bergmannssprache heißt diese Stelle, wo die Strecke am Schacht ankommt, Füllort. Denn hier wird die abgebaute Kohle zum Transport nach über Tage verladen.

Die „Strecke”

Strecken unter Tage

Hier sieht es kaum anders aus als in einem modernen U-Bahnhof. Groß und gut ausgeleuchtet ist es, und es fahren tatsächlich Züge. Sogar feste Fahrpläne gibt es.

Bis zum Arbeitsplatz haben die Bergleute noch ein paar Eisenbahn-Kilometer vor sich. Die Züge transportieren Bergleute und Material zum Streb, wo die Kohle abgebaut wird.

Bis zu sieben Meter breit und über fünf Meter hoch sind die Transportwege, durch die die Züge fahren. Spezielle Vortriebsmaschinen graben sich wie riesige Bohrer durch den Berg, um diese Strecken anzulegen.

Auch mit Sprengstoff wird dabei gearbeitet. Dazu werden Löcher ins Gestein gebohrt und mit Sprengstoff gefüllt. Der wird dann gezündet. Die lockeren Gesteinsbrocken werden mit Seitenkippladern auf ein Transportband geladen.

Anschließend muss dieser Hohlraum gegen herabfallendes Gestein gesichert werden. Dazu werden zunächst Löcher ins Gestein gebohrt, in die man Eisenstangen schiebt. Diese werden im Gestein verklebt und mit einem Stahlgitter verschraubt. Dieses Korsett nennt man Ankerausbau, weil es im Gebirge verankert ist. Häufig nutzt man auch Stahlbögen, die das Gestein abstützen.

Hier werden die Löcher gebohrt

Von den Ankern selbst sieht
man anschließend nur noch
die Verschraubung.

Von der Haltestelle des Zuges gehen die Bergleute zu Fuß weiter – auch das nennt der Bergmann „fahren“! Auf dem Weg zum Kohlenstreb kommt ihnen eine Einschienen-Hängebahn entgegen.

Gleise können auf dem unebenen Boden der Strecken nicht verlegt werden. Deshalb wird eine Schiene an der Streckendecke aufgehängt. Mit der Hängebahn wird vor allem Material bis vor Ort befördert. Es gibt sogar schon automatisch fahrende Hängebahnen.

Einschinenhängebahn

Das „Wetter”

Wetterführung

Erst ein System aus zwei Schächten macht die Bewetterung möglich. Durch den Einziehschacht gelangt frische Luft in die Tiefe, durch den Ausziehschacht wird die warme, verbrauchte Luft nach oben geleitet.

Damit die Luft zirkulieren kann, saugen die Lüfter, die am Ausziehschacht angebracht sind, bis zu 26.000 Kubikmeter Luft in jeder Minute an.

Auch in entfernten Winkeln müssen die Bergleute noch genügend Frischluft bekommen. Deshalb wird dort die Luft mit Ventilatoren durch große Kunststoffschläuche geblasen. 6 Kubikmeter Frischluft in der Minute werden pro Mann gerechnet.

Das ist hundert Mal mehr, als ein Bergmann zum Atmen braucht. Und dennoch wird ihm warm bei der Arbeit.

Die Luft wird aber noch zu etwas Anderem benötigt: In der Kohle sind kleine Mengen Grubengas (Methan) enthalten. Das hat sich bei der Entstehung der Kohle entwickelt. Die frische Luft verdünnt das Grubengas, denn in einer bestimmten Konzentration in der Luft könnte das Grubengas explodieren.

Deshalb wird in deutschen Steinkohlenberg­werken die Gaskonzentration ständig gemessen. Sind unter Tage die Werte zu hoch, wird der Strom automatisch abgeschaltet. Die Maschinen stehen dann still. Die Zufuhr von frischer Luft wird sofort erhöht, bis die Werte wieder normal sind. Dann kann der Strom wieder angeschaltet werden. Außerdem werden vor dem Abbau der Kohle die Flöze angebohrt und vorhandenes Grubengas abgesaugt. Durch diese Vorbeugung hat es in Deutschland zum Glück schon lange kein großes Grubenunglück mehr gegeben.

An einem Computer kann der Bergmann unter Tage alle wichtigen Daten abrufen. Auch über das Internet kann er mit dem Service eines Maschinenherstellers Kontakt aufnehmen.

Vorbereitung zur Gasabsaugung

Der „Streb”

Walzenschrämlader

Von der Strecke gelangt man in den Streb. Hier ist es deutlich wärmer und feuchter als am Füllort. Dunkler und enger ist es auch. Hier wird es lauter. Im Streb ist ein Walzenschrämlader in Aktion. Diese 20 Tonnen schwere Maschine fährt an dem Kohleflöz entlang.

Dabei brechen zwei sich drehende Walzen die Kohle los. Ferngesteuert von einem Bergmann erledigen sie, was in früheren Zeiten viele Bergleute in Schwerstarbeit schafften. Mit einer Geschwindigkeit von 6 Metern in einer Minute fährt der Walzenschrämlader. Zahlreiche Düsen sprühen Wasser auf die Kohle, damit es nicht so staubt. Hin und her fährt der Schrämlader und löst jedes Mal 80 Zentimeter von der Kohleschicht aus dem Berg.

Die Kohle fällt in eine Stahlrinne. An Ketten ­befestigte Stege schieben sie bis zur Strecke. Dort wird sie dann auf einem Förderband abtransportiert.

Hier wird gerade der Schildausbau in einem sehr mächtigen Streb eingerichtet.

Die Bergleute, die den Abbau kontrollieren, tragen Staubmasken und Schutzbrillen. Sie stehen im Streb. Dort sind sie durch Stahlplatten vor herabfallendem Gestein geschützt. Diese Schilde stehen dicht nebeneinander.

Sie rücken automatisch nach, je weiter sich der Walzenschrämlader vorgearbeitet hat. Schritt für Schritt. Hinter den Schilden, da wo die Kohle bereits abgebaut worden ist, bricht das Gestein von oben nach. Der eingestürzte Streb wird auch „Alter Mann“ genannt. Doch unter dem stählernen Dach stehen die Bergleute sicher.

Kohlehobel

Der Walzenschrämlader wird nur eingesetzt, wenn das Kohleflöz mächtig genug ist. Wenn die Kohleschicht dünner ist, kommt der Kohlenhobel zum Einsatz. Der saust mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 90 Meter pro Minute am Flöz entlang und trägt jedes Mal bis zu zehn Zentimeter Kohle ab.

Die Kohle und das Gestein werden von Transportbändern bis zum Füllort gebracht, meist über viele Kilometer.

Bandanlage

Füllort
mit Skip

Skip ist das englische Wort für ein geschlossenes
Fördergefäß aus Stahl, das ungefähr 17 Meter hoch,
3,50 Meter lang und 2 Meter breit ist.

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km pro Stunde
rasen zwei Skips über 30 Mal in der Stunde durch
den Schacht von der Oberfläche zum Füllort und
zurück – vollautomatisch.

Wenn der eine Skip unten ist, ist der andere
oben. So werden bis zu 1.000 Tonnen Kohle in
der Stunde gefördert.

Am Füllort wird das Material unterirdisch in einem Bunker gesammelt. Aus diesem Bunker wird es automatisch in große Behälter gefüllt. Die werden Skips genannt.

Füllort

Mit Skips kommt die Kohle Millionen Jahre nach ihrer Entstehung ans Tageslicht.

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Meiler zur Herstellung von Holzkohle

Herstellung von Holzkohle

Die einzelnen Holzstücke werden zu einem kegelförmigen Haufen geschichtet und mit Erde und Rasen abgedeckt. So ein Haufen wird Meiler genannt. Nur durch kleine Öffnungen im Meiler gelangt Luft unter die Abdeckung.

Das Ziel ist es, möglichst nicht das Holz, sondern nur die aus dem erhitzten Holz entweichenden Gase zu verbrennen. An dem aufsteigenden Rauch kann der Köhler sehen, ob die Verkohlung gelungen ist. Dann verschließt er die Luftöffnungen, und der Meiler kühlt langsam wieder ab. Die Holzkohle ist fertig. Heute gibt es in manchen Waldgebieten Köhler, die dieses alte Verfahren vorführen.

Schlägel und Eisen wurden zum Symbol für den Bergbau. Schon im Mittelalter taucht das Zeichen in vielen Stadtwappen auf.

Auch heute noch sind Schlägel und Eisen in manchen Stadtwappen enthalten. So zum Beispiel in St. Andreasberg/Harz, wo Erz abgebaut wurde, oder in den Bergbaustädten Gelsenkirchen und Herne im Ruhrgebiet, St. Ingbert im Saarrevier oder Peißenberg in Bayern.
Auch auf Landkarten findet man das Symbol als Kennzeichnung für ein Bergwerk. Steht das Zeichen auf dem Kopf, zeigt es ein still­gelegtes Bergwerk an.

Skip ist das englische Wort für ein geschlossenes Förder­gefäß aus Stahl, das ungefähr 17 Meter hoch, 3,50 Meter lang und 2 Meter breit ist.

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km pro Stunde rasen zwei Skips über 30 Mal in der Stunde durch den Schacht von der Oberfläche zum Füllort und zurück – vollautomatisch.

Wenn der eine Skip unten ist, ist der andere oben.
So werden bis zu 1.000 Tonnen Kohle in der Stunde gefördert.

Benno Bergmann hat für euch aufgeschrieben, wie die Arbeit eines Bergmanns aussah. Außerdem hat er erzählt, wie ein Bergwerk funktioniert. Die Bergleute arbeiteten in drei Schichten rund um die Uhr. Das alles kannst du in den folgenden Kapiteln nachlesen.

Bereits im 13. Jahrhundert wurde nach der Steinkohle gegraben. Von 1957 bis 2018 gab es im Ruhrrevier 140 Bergwerke. An der Lippe wurde die Kohle bis in einer Tiefe von 1.500 Meter abgebaut. Am 21.12.2018 wurde mit Prosper Haniel feierlich das letzte Bergwerk in Deutschland geschlossen.