Bianca Bergmann erklärt

Unsere Steinkohle

gestern – heute – morgen

Gefördert durch

Bianca Bergmann erklärt

Unsere Steinkohle

gestern – heute – morgen

Bildungsprojekt gefördert durch

Traditionen entwickeln sich

Als vor mehr als 150 Jahren die ersten Zechen im heutigen Ruhrgebiet gebaut wurden, war die Region noch überwiegend von der Landwirtschaft geprägt. Das änderte sich rasch, weil die Zechen viele Arbeitskräfte brauchten.

Heute sind die Häuser der ehemaligen Zechensiedlungen meistens modernisiert und sehr begehrt.

Um 1850 lebten hier rund 375.000 Menschen, 1925 waren es fast 3,8 Millionen. Sie alle brauchten Wohnraum. Und so entstanden meist direkt neben den Zechen Bergarbeitersiedlungen.

Für den Bau von Kirchen und Schulen gaben die Zechengesellschaften Geld dazu.

Ganz in der Nähe siedelten sich fast immer kleine Geschäfte und Kneipen an. Auch ein Sportplatz fehlte nicht. So hatten die Bewohner/-innen alles nah beieinander: Arbeiten, Wohnen und Freizeit. Auch Krankenhäuser entstanden in dieser Zeit. Das Bochumer Knappschaftskrankenhaus gibt es heute noch. Es gilt als modernes, fortschrittliches Krankenhaus, das mit der Universität Bochum zusammenarbeitet und forscht.

Wichtig war für die Bergleute auch ein eigener Garten, der hinter jedem Häuschen zu finden war.

Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute. Sie gilt als die Retterin aus Not und Bedrängnis und steht für die Sehnsucht des Bergmanns nach Licht.

Noch heute wird der alte Brauch gepflegt, am 4. Dezember, dem Namenstag der heiligen Barbara, einen Kirschzweig in die Vase zu stellen. Nach 21 Tagen, also genau zu Weihnachten, blühen diese Zweige. Die Blüten sind ein Symbol für das Licht. Sie erinnern die Menschen auch daran, dass der Frühling nicht mehr fern ist.

Die heilige Barbara

Diese Legende wird in vielen Variationen ­erzählt, hier ist eine davon:

Barbara wurde von ihrem Vater in einem Turm gefangen gehalten. So wollte er seine Tochter vom Christentum abbringen. Dennoch ließ sie sich heimlich taufen.

Vor der Wut des Vaters flüchtete sie zu den Bergleuten in den dunklen Stollen. Schließlich konnte sie die Finsternis nicht mehr ertragen.

Obwohl sie wusste, dass der Vater sie draußen ergreifen würde, verließ sie den Stollen.

Der Vater selbst hat sie enthauptet. Nach dieser schrecklichen Tat bekam der Vater umgehend seine gerechte Strafe: Er wurde vom Blitz erschlagen.

Die Bergleute ziehen zu besonderen Anlässen ihren Kittel an, das ist eine schwarze Uniform. Eindrucksvoll ist es, wenn sie auf einer Bergparade zusammen mit vielen anderen Bergleuten durch die Straßen ziehen.

Vorneweg wird die Fahne des Knappen­vereins getragen. An diesem Tage darf auch das Steigerlied „Glück auf!“ nicht fehlen.

Zum Ende des Steinkohlen­bergbaus in Deutschland singt ein Knappenchor im Dezember 2018 das ­Steigerlied in der „Arena AufSchalke“ in Gelsenkirchen.

Das Steigerlied

Alle Bergleute waren in einer Knappschaft organisiert. Die Mitgliedschaft war Pflicht, auch die Zahlung eines „Groschen“ für die Sozialkasse. Die Knappschaft war die erste Sozialversicherung: Krankenversicherung und Rentenversicherung.

Aus der „Gnadengroschenkasse“ bezahlten die Knappschaften kranken Bergleuten den Lohn und gaben Beihilfen zum Begräbnis. Witwen und Waisen erhielten eine kleine Pension, die Bergleute bekamen von der Knappschaft nach dem Berufsleben eine Rente.

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Meiler zur Herstellung von Holzkohle

Herstellung von Holzkohle

Die einzelnen Holzstücke werden zu einem kegelförmigen Haufen geschichtet und mit Erde und Rasen abgedeckt. So ein Haufen wird Meiler genannt. Nur durch kleine Öffnungen im Meiler gelangt Luft unter die Abdeckung.

Das Ziel ist es, möglichst nicht das Holz, sondern nur die aus dem erhitzten Holz entweichenden Gase zu verbrennen. An dem aufsteigenden Rauch kann der Köhler sehen, ob die Verkohlung gelungen ist. Dann verschließt er die Luftöffnungen, und der Meiler kühlt langsam wieder ab. Die Holzkohle ist fertig. Heute gibt es in manchen Waldgebieten Köhler, die dieses alte Verfahren vorführen.

Schlägel und Eisen wurden zum Symbol für den Bergbau. Schon im Mittelalter taucht das Zeichen in vielen Stadtwappen auf.

Auch heute noch sind Schlägel und Eisen in manchen Stadtwappen enthalten. So zum Beispiel in St. Andreasberg/Harz, wo Erz abgebaut wurde, oder in den Bergbaustädten Gelsenkirchen und Herne im Ruhrgebiet, St. Ingbert im Saarrevier oder Peißenberg in Bayern.
Auch auf Landkarten findet man das Symbol als Kennzeichnung für ein Bergwerk. Steht das Zeichen auf dem Kopf, zeigt es ein still­gelegtes Bergwerk an.

Skip ist das englische Wort für ein geschlossenes Förder­gefäß aus Stahl, das ungefähr 17 Meter hoch, 3,50 Meter lang und 2 Meter breit ist.

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km pro Stunde rasen zwei Skips über 30 Mal in der Stunde durch den Schacht von der Oberfläche zum Füllort und zurück – vollautomatisch.

Wenn der eine Skip unten ist, ist der andere oben.
So werden bis zu 1.000 Tonnen Kohle in der Stunde gefördert.

Benno Bergmann hat für euch aufgeschrieben, wie die Arbeit eines Bergmanns aussah. Außerdem hat er erzählt, wie ein Bergwerk funktioniert. Die Bergleute arbeiteten in drei Schichten rund um die Uhr. Das alles kannst du in den folgenden Kapiteln nachlesen.

Bereits im 13. Jahrhundert wurde nach der Steinkohle gegraben. Von 1957 bis 2018 gab es im Ruhrrevier 140 Bergwerke. An der Lippe wurde die Kohle bis in einer Tiefe von 1.500 Meter abgebaut. Am 21.12.2018 wurde mit Prosper Haniel feierlich das letzte Bergwerk in Deutschland geschlossen.